Meine Meinung zum Tankstellenboykott

Wer hat sie in den letzten Wochen nicht bekommen, die E-Mail mit dem aussagekräftigen Betreff »Protest_!!!!« der diese, wenig ansprechend gemachte Powerpointpräsentation angehängt war.




Um was geht es?

Kernaussage auf den Folien war, das man für den Rest des Jahres kein Benzin mehr bei den zwei grössten Mineralölgesellschaften Shell und Total kaufen sollte. Bei entsprechender Verbreitung der E-Mail durch jeden Empfänger an mindestens 10 weitere Leute sollten innerhalb eines Tages 300 Millionen Menschen erreicht werden und in den »Krieg« gegen Ölgesellschaften einsteigen. So zumindest der etwas diffus anmutende Plan.


Die scheinbaren Ergebnisse des Boykotts

Wenn man einen Blick an das Ende kilometerlange E-Mail werfe, kann man erkennen, das die E-Mail am 19.11.2007 zum ersten mal weitergeleitet wurde. Gehen wir mal davon aus, das die E-Mail einen Tag vorher zum ersten mal versendet wurde und behalten den 18.11.2007 im Kopf. Wirft man nun einen Blick auf die aktuelle Benzinpreisstatistik, könnte man den Eindruck haben, die Aktion würde tatsächlich etwas bringen. Immerhin ist der Preis für den Liter Super seit dem 17.11.2007 um 12 Cent gefallen.


Grafik: benzinpreis.de

Und warum das alles trotzdem nichts bringt

Eine Tankfüllung mit 45 Litern Super kostet aktuell 57,92 Euro. Davon bleiben jedoch lediglich 2,03 Euro (3,5%) Gewinn für die Mineralölkonzerne übrig. Den weitaus größeren Teil, 36,66 Euro (63,3%) nimmt Vater Staat über die Mineralölsteuer ein. Der Rest (33,2%) deckt die Kosten der Mineralölkonzerne. (Quelle: »Preisjagd statt Hamsterkäufen«). Selbst wenn diese Zahlen vermutlich eher zu Gunsten der Mineralölkonzerne gerechnet wurden, und der Gewinn höher ausfallen dürfte, fließt der größte Teil dessen was man an der Zapfsäule bezahlt in Form der Mineralölsteuer in die Steuerkasse.



Grafik: Esso Deutschland

Diejenigen die also nun meinen Tankstellen einer gewissen Marke zu meiden, haben das Ganze einfach nicht zu Ende gedacht. Das nun ein paar Zehntausend (mehr werden es wohl nicht werden) für ein paar Wochen bei Tankstellen der Konkurenz tanken, dürfte Shell und Total wahrscheinlich wenig interessieren. Denn wie bereits gesagt, fällt nur der geringste Teil des Spritpreises für die Mineralölkonzerne als Gewinn ab. Aber auch diejenigen die tapfer durchhalten und die Tankstellen der beiden Konzerne meiden, müssen - wenn sie nicht komplett auf das Auto verzichten - irgendwann tanken und werden um die Mineralölsteuer nicht herum kommen. Zu Erinnerung: Die Mineralölsteuer war der größte Brocken vom Benzinpreis und wandert direkt in das Steuersäckel von Herrn Steinbrück.

Mal ganz davon abgesehen, kann es durchaus sein, das die Teilnehmer dieses Boykotts am Ende sogar mehr für ihr Benzin bezahlen werden. Das wäre dann der Fall, wenn sie nur, um nicht bei zu boykottierenden Tankstellen zu, einige Kilometer Umweg fahren. Dieser Mehrverbrauch frißt die Ersparnis im Cent-Bereich schnell auf. Denn schon ab 13 Kilometern Umweg, hat man bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 8 Litern bereits wieder einen Liter Sprit verfahren. Damit hätte man bei einem Preisunterschied von 2 Cent für eine Tankfüllung von 45 Litern sogar 38 Cent mehr bezahlt!

Außerdem befinden wir uns gerade in der Heizperiode und spätestens über den Heizölpreis holen sich auch Shell und Total das Geld zurück, das ihnen an der Zapfsäule durch die Lappen gegangen ist. Ein Blick auf die Heizölpreisentwicklung zeigt das auch hier der Trend immer nur nach oben geht.



Grafik: benzinpreis.de

Und nicht zuletzt durch die Hamsterkäufe (deren Sinnlosigkeit steht ja noch auf einem ganz anderen Papier) die zur Zeit an deutschen Tankstellen stattfinden, dürfte der Boykott nun endgültig ergebnislos verlaufen. Durch den Ansturm der derzeit auf die Tankstellen aller Konzerne (auch auf die Tankstellen von Shell und Total) stattfindet, dürfte sich der Mindereinnahmen durch die paar Zehntausend Verweigerer (sofern sie überhaupt standhaft geblieben sind) für Shell und Total irgendwo im Cent-Bereich bewegen. Ich tanke jedenfalls jetzt erst Recht bei Shell und Total!



Fazit

Mineralöl ist ein knappes Gut und der Preis wird weiter steigen, egal wie oft solche Boykotte sich wiederholen. Wer es richtig machen will, lässt sein Auto stehen und benutzt öffentliche Verkehrsmittel. Wer nicht auf sein Auto verzichten kann, sollte spritsparender fahren. Auch ein Tempolimit von 130km/h auf deutschen Autobahnen würde nicht nur den Spritverbrauch verringern, sondern auch für mehr Sicherheit sorgen. Ganz davon abgesehen, würde man damit dann auch endlich den größten Gewinner der hohen Spritpreise treffen: Vater Staat.


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